Leadership Challenge
Projektbeispiel und Interview
Der Hauptgesellschafter eines österreichischen Familienunternehmens möchte die Kommunikation in seinem Führungsteam verbessern.
Mit eigenen Produktionsstätten und über 150 Einzelhandelsfilialen zählt das Unternehmen zu den Branchenführern im Bereich optischer und elektronischer Geräte. Gemeinsam mit einem 17-köpfigen Führungskreis trägt der Sohn des Gründers die unternehmerische Verantwortung. Anfang 2005 entscheidet er, die Kommunikation mit und zwischen seinen Führungskräften offener als bisher zu gestalten.
Er beauftragt Process One, für ihn und den oberen Führungskreis eine Leadership Challenge in Botswana durchzuführen. Die Hauptaufgabe dieser Expedition besteht darin, acht Geländepunkte anzufahren, die nur anhand von Koordinaten ausfindig gemacht werden können. Nur wenn die Punkte erreicht werden, erhält das Team Geld, um Proviant und Treibstoff zu kaufen. Der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg der Unternehmung hängt also wesentlich davon, ob und wie effizient der „Auftrag“ gelöst wird.
Diesen erhalten die Teilnehmer bereits vier Wochen vor Beginn der Expedition. Aus vorgegebenen GPS-Punkten legen sie die Route sowie Verantwortliche für Navigation, Sicherheit, Controlling und Einkauf fest. Und auch ihre Ausrüstung stellen sie im Vorfeld selber zusammen, wobei die Herausforderung darin besteht, exakt 70 Gegenstände aus der vorgelegten Materialliste auszuwählen. Zudem werden Tagesverantwortliche nominiert, die während der Expedition jeweils zu zweit für einen Tag die Führungsverantwortung inne haben.
Die Expedition selbst führt schließlich auf einer Strecke von knapp 3.000 km auf unwegsamer Piste quer durch Botswana bis in die Kalahari Wüste. Die Teilnehmer erleben die Wüste in unerwarteter Blütenpracht, aber auch den Monsunregen, der ihnen den Auf- und Abbau der Zelte erschwert. Fernab der Zivilisation sind sie gefordert, die üblichen „Komfortzonen“ zu verlassen, manches Mal umzudenken und neue Sichtweisen einzunehmen. Und ähnlich wie im täglichen Business wirken sich Entscheidungen, Nichtentscheidungen und Haltungen sowie die Kommunikation im Team spürbar auf den Prozess und die Performance aus.
An jedem Abend erhalten die jeweiligen Tagesverantwortlichen Feedback zu ihrem Führungsverhalten und zu ihrem Beitrag am Gesamtziel. In den morgendlichen Workshops wird hingegen die Gruppenperformance beleuchtet. Hier erhalten die Teilnehmer – je nach tagesaktuellem Bedarf – Anregungen und Input zu den Themen Führung, Team, Kommunikation und Projektmanagement.
Am letzten Tag – zurück in einem exzellenten Hotel – arbeiten die Teilnehmer schließlich Ideen und Modelle für die zukünftige Zusammenarbeit aus. Insbesondere das Instrument der „Meinungslandkarte“ erachten sie als besonders hilfreich, um auch kritische Themen offen ansprechen zu können. Ein Follow-up-Tag sechs Monate nach Abschluss der Expedition zeigt, dass sich die Kommunikation in dem Führungsteam nachhaltig verbessert und die Leadership Challenge somit zur Zielerreichung beigetragen hat.
Interview mit Robert Hartlauer
geschäftsführender Eigentümer der HARTLAUER Handelsges.m.b.H.
